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Vorstellung der Paket-Rakete
Vorstellung der Paket-Rakete
Paket-Raketen sind stationäre und mobile Paketstationen, die als Mikrodepots zum Umschlag dienen und von denen mit Lastenfahrrädern die stationären Paketstationen beliefert werden.
© Andreas Stedtler
Städtische Logistik neu gedacht
DVZ Redaktion

An Ideen für die letzte Meile mangelt es nicht: Ob Lastenrad, Lieferroboter, Schiff oder ÖPNV – immer geht es darum, diesen kostenintensiven und besonders anspruchsvollen Abschnitt der Zustellung effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Oft handelt es sich dabei jedoch um Einzellösungen. In Magdeburg wird nun ein Konzept getestet, dass auch in anderen Städten Anklang finden soll.

Verschiedene Zustellvarianten

Im Rahmen des Projekts „Paket-KV-MD2“, ein Akronym für „Nachhaltiger Paketdienst durch kombinierten Verkehr auf der letzten Meile mit Mikro-Depots in Magdeburg“, werden mehrere Ansätze für die Paketzustellung kombiniert und im Stadtteil Magdeburg-Ost umgesetzt.

„Wir haben verschiedene Zustellvarianten entwickelt und bezeichnen unser Hub-and-Spoke-System als eines der flexibelsten Zustellsysteme“, erläutert Hartmut Zadek, der als Leiter des Lehrstuhls für Logistik an der Otto-von-Guericke-Universität das von der EU (EFRE) und dem Land Sachsen-Anhalt geförderte Projekt unter der Federführung der Mediengruppe Magdeburg mit dem privaten Post- und Paketdienstleister Biberpost wissenschaftlich begleitet.

Klassische Lieferung oder selbst abholen

So kann der Empfänger sein Paket bis 31,5 Kilogramm entweder klassisch an die Haustür geliefert bekommen, es auf dem Nachhauseweg in einer von ihm präferierten stationären Paketstation oder direkt im Urban-Hub abholen. „Und künftig wird es in stark frequentierten Wohnquartieren auch mobile Paketstationen geben, die sich in Laufweite der eigenen Wohnung befinden“, berichtet Zadek. Zusätzlich kann der Empfänger die gebündelte Zustellung seiner Sendungen veranlassen.

Zentraler Bestandteil ist das Urban Hub, in dem die logistischen Sortier- und Beladungsvorgänge effizient durchgeführt werden können. Mit der Verteilung vorkommissionierter Wechselbehälter über die sogenannten „Speichen“ (Spokes) werden dann die Mikrodepots in den Bezirken beliefert. Von dort werden die Pakete aus den Wechselbehältern mit Elektro-Lastenrädern in den Quartieren verteilt. „Ziel ist es, die logistischen Prozesse effizienter zu gestalten, da mit jedem Umschlag erst einmal zusätzliche Zeit und Kosten anfallen“, erläutert Zadek.

Viel Planung notwendig

Zu den größten Herausforderungen bei diesem Projekt zählten laut Zadek die Entwicklung des Mikrodepots, der mobilen Paketstationen sowie der Urban-Hub-Software für die Steuerung des Paketflusses über alle Zustellwege. Darüber hinaus sei der Aufbau dieser Systemkomponenten aufgrund der Corona-Pandemie und der gestörten Lieferketten durch große Verzögerungen gekennzeichnet gewesen: „Das hat uns über ein Jahr im Zeitplan zurückgeworfen“, unterstreicht Zadek.

Einzigartige Technik-Kombination

Anfang Mai konnte das Mikrodepot für den Paketumschlag nun endlich feierlich eingeweiht werden. Das Einzigartige sei die Kombination der Systemelemente Urban-Hub zur Sortierung und Konfektionierung der Wechselbehälter, Mikrodepots zum Umschlag der Wechselbehälter sowie Elektro-Lastenräder für das emissionsfreie Verteilen, erklärt Zadek. Hinzu kämen Akkulade- und Wechselstationen zur Reichweitenverlängerung, stationäre Paketstationen an zentralen Orten zur Selbstentnahme und mobile Paketstationen, die mit den Elektro-Lastenrädern ins Quartier gefahren werden, also in Laufweite für die Anwohner.

Dadurch könnten Endkunden darüber entscheiden, wann und wie gebündelt sie ihre Pakete empfangen möchten. Egal bei welchem Händler bestellt werde und unabhängig davon, an welchen Dienstleiter der Händler die Sendung zur Lieferung nach Magdeburg übergebe – alle Pakete an das Urban-Hub geliefert, sofern dieses als Lieferadresse angegeben wurde. So könne die gebündelte Zustellung aller Pakete auf dem vom Empfänger bevorzugten Weg aus einer Hand erfolgen.

Tonnenweise weniger CO2 Durch die Verringerung der Zustellfahrten in die Quartiere werden die Emissionen und Verkehrsbelastungen deutlich reduziert. „Im Pilotbetrieb der Elektro-Lastenräder bezogen auf einen Stadtbezirk konnten aufgrund des Ersetzens von Diesel-Transportern 1,4 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden“, erläutert Zadek. „Den Bündelungseffekt über den Urban-Hub können wir erst messen, wenn das Gesamtsystem jetzt in Betrieb geht und Empfänger ihre Entscheidungsgewalt einsetzen, das Urban-Hub als Lieferort zu definieren. Sollte das System auf ganz Magdeburg ausgerollt werden, gehen wir von mindestens 22 Tonnen CO2-Minderung pro Jahr aus.“ Die Lösung sei auch für andere Städte skalierbar, so Zadek.

Dieser Artikel wurde von Claudia Behrend verfasst und ist exklusiv in der DVZ erschienen. Zum Angebot der DVZ

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